Du betrachtest gerade Gemeindefahrt nach Mainz vom 20. bis 21. Juni 2026 („Reisetagebuch“)

Gemeindefahrt nach Mainz vom 20. bis 21. Juni 2026 („Reisetagebuch“)

Am Wochenende 20./21. Juni machte sich eine Gruppe mit 19 Teilnehmern mit einem Bus auf den Weg nach Mainz. Ziel war es, die Stadt mit ihrer stark von der Kirche geprägten Geschichte und ihrer lebendigen Atmosphäre kennenzulernen – und gleichzeitig Gemeinschaft zu erleben.
Unser Hotel Erbacher Hof hat eine über 800-jährige kirchliche Geschichte, auch als kath. Bildungshaus und liegt knapp hinter dem Dom.
Das an diesem Wochenende stattfindende Johannis-Fest hatte die Innenstadt und das Rheinufer in eine Festmeile verwandelt.

Der erste Weg führte uns nach St. Stephan. Machtvolle Orgelmusik empfing uns. Kühle Kirche. Eine besondere Atmosphäre. Durch die blauen Fenster mit den 18 verschiedenen Blautönen von Marc Chagall wird der Innenraum und alle Gäste in blaues Licht gehüllt.
Die „Friedenskirche St. Stephan“ wurde von einem Theologen mit profunden Hintergrundkenntnissen vorgestellt. Er erläuterte zum einen die Geschichte der Kirche, die etwa zeitgleich mit dem Dom als Gebetskirche entstand, zum anderen die Entstehung der Chagall-Fenster. Zu den einzelnen Bildern und Motiven gab er ausführliche Erläuterungen, erzählte die dahinter liegenden biblischen Geschichten und gab Impulse und Ideen von Sinnzusammenhängen. Anschließend ging es in den schön ausgestalteten gotischen Kreuzgang der Kirche.
Nach diesem spirituellen Erleben und den angeregten Gesprächen danach, reizte fast alle Gäste ein besonderes Angebot des Johannisfestes: das „Gautschen“. Eine Art weltliche Taufe der Druckergesellen, bei welcher die Druckerschwärze und Sünden der Lehrzeit abgewaschen werden sollten. In unserer heutigen Zeit werden z.B. Medien Designerinnen von sehr kräftigen Männern 3-mal tief ins Wasser der Holzbütt getunkt.
Eine Gruppe wurde anschließend spontan in eine Veranstaltung der offenen Augustiner-Kirche eingeladen. In dieser üppig ausgestalteten Rokoko-Kirche, die zum Priester-Seminar des Bistums Mainz gehört, fand eine Veranstaltung statt von jungen Menschen aus der Ukraine. Bei meditativer Live-Musik wurde zum Innehalten und zum Gebet eingeladen. Anschließend gab es Abendessen in einem ruhig gelegenen Biergarten
Einige schauten dann das WM-Fußballspiel beim Public-Viewing an, andere trafen sich in einem Lokal, um sich, angeregt von den Eindrücken des Tages, lange auszutauschen.

Da nach einem üppigen Büfett-Frühstücks-Angebot im Hotel von Seiten der Evangelischen Kirche kein Gottesdienst in der Innenstadt stattfand, ging die Einladung an alle, sich in den Dom zur Messe zu begeben.
Anschließend beeindruckte die heutige evangelische Johannis-Kirche in ihrem Baustellen-Zustand. Sie ist die älteste Kirche von Mainz und ist auf Überresten von Vorgänger-Bauten errichtet.
An dieser Stelle begegneten die Reiseteilnehmenden dann auch den Auswirkungen des Schicksals unserer Kirche, das in unserer Kultur immer weitreichender um sich greift: diese historische Kirche, in der zwei Könige gekrönt wurden und in die etliche Würdenträger ihre Grabstädte fanden, wird auf unabsehbare Zeit innen eine Baustelle bleiben, da ein Wiederherrichten sowohl aus finanziellen Gründen wie im Angesicht der schwindenden Gemeindemitglieder nicht mehr sinnvoll erscheint. Sporadische Gottesdienste und Musikveranstaltungen bleiben aber.
 Bei der anschließenden Stadtführung wurde die gesamte Gruppe von einem engagierten Bayern an mehrere markanten Stellen der Stadt geführt. Der ehemalige Lehrer erläuterte viele geschichtliche Zusammenhänge, bot Einblicke in die Gegenwart der Stadt und führte vor allem die vielen kirchlichen Bezüge der Geschichte Mainz vor Augen. Der zweite Teil der Führung war für den Dom und seine Bau- und Bauherrengeschichte reserviert.
Sofort im Anschluss fand eine weitere Führung im Isis- und Magna Heiligtum statt.  Hier wurde ein Einblick in die vor- bzw. neben-christliche Frömmigkeit der Römerzeit gegeben. Der außerhalb Italiens einzigartige Fund eines solchen Heiligtums mit all seinen Komponenten wird in Mainz von einem Verein in einem didaktisch hervorragend aufgebauten Schauraum mit modernster Technik dargestellt.
Die Stunden bis zur Abfahrt wurden noch für ausführliche Gespräche genutzt, um das gesehene, erlebte und erfahrene gemeinsam zu verarbeiten. Zum Abschluss bekam im Bus noch jede Mitreisende/r zur Erinnerung an die Fahrt einen kleinen Bildausschnitt eines Chagal-Fensters zu dem Motiv: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“ (Ps 119,105)                                                                   

Autor: Sonja Ritz

Bilder