Zum Tag der Orgel am 12. September

Zum Tag der Orgel am 12. September

An der Grenze zu Luxemburg, an der Mosel gelegen, findet sich das Städtchen Nennig. Die Sehenswürdigkeit der Stadt ist eine gut erhaltene Römervilla aus dem 3. Jahrhundert und in eben dieser Villa liegt folgendes oben abgebildete Bodenmosaik (Bilddatei ©Carole Raddato):

Unschwer zu erkennen zeigt das Mosaik zwei Musiker, einen Hornisten und einen Orgelspieler. Die Orgel war damals schon ein altes Instrument. Es wurde um 250 v. Chr. in Ägypten erdacht und hatte auch damals schon, wie unsere Orgeln heute, Pfeifen. Da man die Luft in einem Wasserbehälter komprimierte, nannten die Griechen und Römer das Instrument nicht nur organon, sondern auch hydraulis.

Was stellt das Mosaik aus Nennig nun da? Wird ein Lied begleitet? Eine Feier umrahmt? Den Göttern geopfert? Nein, das Mosaik in seiner Gesamtheit zeigt Gladiatorenkämpfe und genau dort, im Circus nämlich, hatte die Orgel in der Antike ihren prominentesten Platz. Sie war durch und durch ein Instrument der Unterhaltungsmusik.

Als viel später die ersten Orgeln in die Kirche einzogen, war man deshalb wenig begeistert, ja reagierte sogar ablehnend. Die erste Orgel im Mittelalter konnte man aber nicht einfach so zurückweisen, denn sie war ein hochoffizielles Geschenk von einer byzantinischen Gesandtschaft an Karl den Großen. Dessen Sohn, Ludwig der Fromme, scheint das Instrument gemocht zu haben, denn er ließ 826 eine Orgel für den Aachener Dom bauen.

Es dauerte aber noch lange, bevor sich die Orgel in der Kirche bereitete. Ein Grund: das Instrument war aufwendig zu bauen und deshalb teuer. Kein Wunder, dass man die ersten großen Orgeln in den nordeuropäischen, reichen Handelsstädten findet. In Hamburg, Lübeck oder Amsterdam standen sie zwar in Kirchen, waren aber im Besitz der Bürgerschaft und oft auch Statussymbol. Orgelkonzerte waren damals beliebt und sehr gut besucht. Klar, man konnte damals nur selten Musik hören und die Orgel bot alles von leise bis laut, von ein- bis vielstimmig, von jubelnd bis klagend.

Heute stehen allein in Deutschland 50.000 Orgeln. Die Orgel scheint uns etwas Normales zu sein, aber sie ist und bleibt eine Errungenschaft. Die Leistungen auf dem Gebiet des Orgelbaus und der Orgelmusik wurden im Dezember 2017 von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt. Zu Recht!

Wer sich in unserer Gemeinde die Funktionsweise einer Orgel zeigen lassen möchte, hat am 12. September, dem Tag der Orgel, gleich zwei Möglichkeiten: Um 11 Uhr, also nach dem Gottesdienst, erkläre ich die Orgel der Christuskirche. Das Angebot richtet sich auch an Kinder!

 

von Thomas Pehlken